In meinem Buch „Chefsache Integrales Business mit Indien. Den Subkontinent aus verschiedenen Perspektiven verstehen“ habe ich der Spiritualität ein eigenes Kapitel gewidmet.

Ich merke, dass mich dieses Thema aus aktuellen Anlässen (vor allem dem Klimawandel) sehr beschäftigt. Deshalb möchte ich in diesem Blog einen weiteren Aspekt widmen, den ich im Buch nicht explizit beleuchtete habe.

Fällt das Wort Spiritualität wittern viele Menschen sofort Esoterisches, um nicht zu sagen Irrationalität. Diese Sorge ist unbegründet, denn wenn wir den Begriff in Zusammenhang mit der Wirtschaft bringen geht es in aller erster Linie darum, dass Unternehmen und deren Führungskräfte einen Beitrag dazu leisten sollen, dass Harmonie zwischen dem unternehmerischen Handeln, der Umwelt, den Mitarbeitern und den Konsumenten herrscht. Und das ist dringend notwendig, mehr als je zuvor! Spiritualität hat nichts mit dem westlichen Verständnis von Esoterik zu tun. Der Begriff Esoterik stammt aus dem Griechischen und bedeutet „innerlich“, „dem inneren Bereich zugehörend“. Diese innerliche Erfahrung kann und sollte jeder machen. Den Zugang dafür haben wir alle (von Geburt an mitbekommen), ist aber auf Grund von Erziehung und Lebensweisen verloren gegangen. Spiritualität kommt aus dem Lateinischen  (spiritus ,Geist, Hauch‘ bzw. spiro ,ich atme‘) bedeutet im weitesten Sinne „Geistigkeit“ und bezeichnet eine auf Geistiges aller Art oder im engeren Sinn auf Geistliches in spezifisch religiösem Sinn ausgerichtete Haltung.

Aber wie kann es sein, dass wir auf Grund unseres Handelns mittlerweile so weit gekommen sind, dass wir um unsere Existenz (also die der Menschheit) auf diesem Planeten fürchten müssen? Und das ist keine Weltuntergangs-Stimmungsmache. Ich spreche hier über sehr allgemein bekannte Tatsachen, die im Netz einfach zu finden und zu belegen sind.

Dass wir zum Beispiel genügend Lebensmittel vorrätig haben, um die gesamte Weltbevölkerung zu ernähren, liegt auf der Hand. Machtinteressen, Kontrolle, Ego, geopolitische Konflikte usw. sorgen unter anderem dafür, dass keine gleichmäßige Verteilung stattfindet. Um derartig relevante Probleme angehen zu können, die letztendlich oft durch unethische Verhaltensweisen des Einzelnen resultieren, ist jeder Einzelne gefragt. „Was kann ich schon allein bewirken?“, höre ich regelmäßig. Natürlich kann und MUSS jeder Einzelne etwas dazu beitragen. Denn viele Einzelne ergeben ein Kollektiv, die wiederum eine gesamte Gesellschaft bilden!

Jeder muss bei sich anfangen. Denn die gesellschaftlichen Konflikte spiegeln die Konflikte im Einzelnen wider und anders herum. Erst wenn der Einzelne Frieden in sich findet, kann er Handlungen vornehmen, die zu Frieden in der Gesellschaft führen.

Wie können Führungskräfte andere Menschen führen, wenn sie nicht im Reinen mit sich sind und keinen guten Umgang mit sich selbst haben? Was braucht es damit sich jeder einzelne auf sich besinnt und eine „Verbindung“ zu sich hat?

Wenn ich über beSINNen schreibe, meine ich, dass es essentiell ist, dass jeder Einzelne auf sich – und vor allem in sich schaut (so wie oben beschrieben):

Wenn wir jedem 8-jährigen Kind Meditation beibringen würden, könnten wir die Gewalt in der Welt innerhalb von einer Generation beenden. – Dalai Lama

Dafür ist zum Beispiel Meditation ein sehr gutes Hilfsmittel (Tool, wie gerne neudeutsch gesagt wird), um zu lernen seine Gedanken ruhen zu lassen und tiefer in das Mysterium des eigenen Wesens zu tauchen. Das haben viele Kulturen und Religionen (z.B. Hinduismus, Buddhismus und ja, auch das Christentum usw. schon lange erkannt). Durch regelmäßige Praxis erkennen wir, dass das, was uns Religionen seit Ewigkeiten predigen, und wir schon als Kind verinnerlicht haben, nicht stimmen kann: Wir sind nicht getrennt! Es wird uns von Anfang an (spätestens in der Schule im Religionsunterricht)  beigebracht, dass es unsere Aufgabe ist, irgendwo hinzukommen. Deswegen sei es wichtig, nicht in Sünde zu leben oder nur so zu handeln, dass man gutes Karma sammelt oder, oder, oder.

Also das ganze Leben beruht darauf, seine Handlungen darauf abzustimmen, um ein Ziel zu erreichen (z.B. in den Himmel zu kommen, oder nicht Wiedergeboren zu werden, ins Paradies zu gelangen usw.) und bloß nicht auf irgendeine Art und Weise sanktioniert zu werden. Sei es im aktuellen Leben oder, wenn man daran glaubt, im nächsten Leben (z.B. in die Hölle zu kommen, wiedergeboren zu werden, usw.)

Wenn wir aber verstehen, dass wir ein Teil von allem sind oder auch nur ansatzweise die Idee weiterverfolgen, dass sich vielleicht das Universum (Gott, Allah, usw.) in uns ist, und deswegen wir uns folglich alle aus dem gleichen Universum (Gott, Allah, usw.) heraus anschauen und uns selbst erkennen, könnte das Leben auf diesem Planeten doch irgendwie einfacher gestaltet werden.

 Das Bewusstsein scheint mir für die Wissenschaft völlig unzugänglich zu sein … Es ist Bewusstsein, das ein materielles Universum komponiert hat, welches Leben erzeugt und so letztlich Geschöpfe entwickelt, die wissen und schaffen können: Wissenschaft, Kunst und Technologie schaffende Kreaturen. In ihnen beginnt sich das Universum selbst zu erkennen.
(George Wald, Nobelpreis für Medizin 1967)

Das Interesse aus dem wir heraus handeln ist nicht mehr die Profitgier und das persönliche Interesse jedes Einzelnen. Wir fangen an uns für unseren Planeten, den Mitmenschen und anderen Lebewesen auf eine völlig neue Art und Weise zu nähern. Wir möchten, dass es unseren Mitmenschen gut geht, ethisch vertretbare Wertschöpfungsketten erschaffen, die es ermöglichen, dass alle Menschen auf diesem Planeten ein würdevolles Leben leben können. Würdevoll im Sinne von glücklich und sorgenfrei. Und es ist durchaus legitim Profit dabei zu machen und auf nicht viel, was man jetzt schon hat, verzichten zu müssen. Nur ist der Beweggrund des Handelns ein völlig anderer der automatisch zu Nachhaltigkeit und Menschlichkeit für alle führt.

Klingt naiv und romantisch und ist weit entfernt von der Realität? Ja und nein. Fakt ist, dass es so nicht weitergehen kann, wenn wir den Planeten Erde erhalten wollen. Wir haben uns bewiesen, dass es so, wie es jetzt ist, langfristig nicht funktionieren kann. Tolle Ansätze und Beispiele, dass es anders geht, gibt es ja. Es müssen nur mehr werden, damit es ein nachhaltiges Ergebnis auch nach 2050 (wenn das nicht zu spät ist) hinterlässt.

Was kann jetzt jeder Einzelne tun? Wie kann der Glaube an die Getrenntheit aufgegeben und die Verbundenheit erfahren werden? Meditation ist ein mögliches Mittel. Versuchen Sie es mal: Jeden Tag 3 Minuten (und dann steigern) still zu sitzen. Anfänglich den Atem beobachten, um von den Gedanken weg zu kommen. Und dann mit der Zeit und etwas Übung die Dauer steigern.

Achten Sie darauf, dass in der Zeit, die Ihnen allein zur Verfügung steht, Sie niemand stört, das Handy aus ist und keine anderen Störquellen vorhanden sind.

Für Fragen zur Praxis und anderen Bereichen zu diesem Thema stehe ich natürlich zur Verfügung.

Text: Purvi Shah-Paulini 

Bild: Pixabay

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